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Erinnerungs- und Bildungsstätte Flandernbunker

Durch die Bestimmung zum „Reichskriegshafen“ 1871 und durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals entwickelte sich Kiel zur Großstadt und spielte im Deutschen Kaiserreich militärisch eine weltbedeutende Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden Militarismus und Nationalsozialismus in der „Gauhauptstadt“ Schleswig-Holsteins starke Ausprägungen. Als Rüstungsstandort trieb die Marine in Kiel besonders die U-Boot-Produktion und die entsprechende Ausbildung der Soldaten der 5. U-Boot-Flottille voran. Für sie wurden die U-Boot-Bunker „Kilian“ und „Konrad“ gebaut sowie 1943/44 mehrere Hochbunker, darunter als strategisch bedeutendster der dreigeschossige „Flandernbunker“. An dessen Bau waren auch polnische und sowjetische Zwangsarbeiter beteiligt. 

Der Name bezieht sich auf das im Ersten Weltkrieg in Belgien kämpfende „Marinekorps Flandern“ aus Kiel. Nach der Kriegsniederlage und den als ungerecht empfundenen Auflagen der Versailler Friedensverträge war das Marinekorps Teil des konstruierten deutschen Erfolgsmythos, der auch den erstarkenden Nationalsozialismus stützte. 1927 entstand auf Initiative des Denkmalsausschusses der Marine- und Kriegervereine ein „Flanderndenkmal“ neben dem späteren Standort des Bunkers. 

Ab Frühjahr 1944 war der Flandernbunker die Befehlszentrale des Marineoberkommandos Ostsee und diente sowohl den Offizieren der 5. U-Boot-Flottille wie auch Zivilisten als Schutzraum. Von hier aus wurden Bombenalarme gegeben und die Marineoperationen in der Ostsee gesteuert bis hin zur Flucht 1945. Im Flandernbunker übergab Generaladmiral Oskar Kummetz am 7. Mai 1945 das Kommando der deutschen Kriegsmarine an die Alliierten unter Vizeadmiral Harold Tom Baillie-Grohman.

1950 wurde der Bunker durch Aufbrüche der zweieinhalb Meter starken Wände und der Decke entfestigt und so militärisch unbrauchbar gemacht. Der gemeinnützige Verein Mahnmal Kilian erwarb das Gebäude 2001 durch Zwangsversteigerung. Er hatte zuvor vergeblich versucht, die denkmalgeschützte Ruine des U-Boot-Bunkers Kilian vor ihrem Abriss zu bewahren, um damit in Kiel einen Ort des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu etablieren.

So baute der Verein den Flandernbunker zu einer Erinnerungs- und Bildungsstätte aus, die in ihrer Ruinengestalt an den einstigen kriegerischen Größenwahn Deutschlands mahnen soll. Im Bunker finden sich Ausstellungen sowie ein Veranstaltungs- und Seminarraum. Hauptaufgabe ist die Vermittlung der negativen Geschichte von Unterdrückung, Verfolgung, Völkermord und Krieg mit dem auf eine positive Zukunft gerichteten Ziel der Völkerverständigung und Friedensförderung.

Bildung

Ausstellungen

Auf 550 Quadratmetern ist die Dauerausstellung „Bunker – Bomben – Menschen. Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg in Kiel“ zu sehen. Eine weitere Dauerausstellung informiert über den Flandernbunker und den einstigen U-Bootbunker Kilian. Zudem werden historische und künstlerische Sonderausstellungen gezeigt, die teilweise in Schülerprojekten gestaltet wurden.

Führungen

Jeden 1. Sonntag im Monat (außer Januar) findet um 11.30 Uhr eine Führung zum Flandernbunker und der Kieler Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs statt; eine Anmeldung für Einzelpersonen ist nicht erforderlich. Führungen für Schulklassen, Soldaten und andere Gruppen sind nach Anmeldung und Themenabsprache jederzeit möglich. Eine digitale Museumsführung ist in Vorbereitung.

Filme

Besucher*innen können sich Filme zu unterschiedlichen Themen sowie gefilmte Zeitzeugengespräche ansehen.

Workshops, Seminare, Veranstaltungen

Der Flandernbunker verfügt über einen Seminar-, Vortrags- und Aufführungsraum mit kleiner Bühne für bis zu 100 Zuschauer*innen oder Arbeitsgruppen bis zu 30 Personen. Zwei Kleingruppenräume für je sechs Personen und Möglichkeiten zur rechner- und internetgestützten Arbeit sind vorhanden. Für Schüler, Jugendgruppen, Touristen, Senioren, Soldaten oder Menschen mit Behinderungen werden individuell abgestimmte, auch unterrichtsbezogene Angebote entwickelt. 

Angeboten werden folgende Seminare und Workshops im Umfang von zwei bis vier Zeitstunden (auch als Langzeitprojekte möglich):

  • Zeitzeugen berichten: Menschen, die Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg erlebt haben im Gespräch
  • Ausgrenzung und Gegenstrategien
  • Militarismus und Frieden: Historische Fakten und aktuelle Optionen
  • Leben in Totalitarismus und Krieg: Geschichtsbilder und persönliches Narrativ
  • War mein Opa Nazi?: Individuelles Forschungs- und kreatives Gestaltungsprojekt 
  • Was wäre aus ihnen geworden? Gräber junger Zwangsarbeiter in Kiel und empathisches persönliches Narrativ jüngerer oder älterer Menschen von heute

Individuelle Gestaltung und weitere Themen sind nach Absprache möglich. Kosten: ab 60 EUR; kostenfreie oder ermäßigte Workshops und Seminare auf Nachfrage ggf. möglich.

Archiv und Bibliothek

Im Flandernbunker gibt es ein Archiv für Zeitzeugengespräche aus dem 2005 begründeten „Kriegszeugenprojekt“, ferner Zeitungsausschnitte, historische Originaldokumente und Objekte. Das Archiv und eine kleine Präsenzbibliothek sind nach Absprache zugänglich.

Barrierefreie Angebote

Der Flandernbunker ist auf drei Etagen barrierefrei nutzbar, ein Aufzug ist vorhanden.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jeden 1. Sonntag im Monat Führung (s.o.). Zu Gedenk- und Erinnerungstagen wie 27. Januar, 1. September und 9. November bietet der Verein Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Theater oder Filme an.

Informationsmaterialien zur Vorbereitung eines Besuchs

  • Website des Vereins mit Dauerangeboten und aktuellen Angeboten sowie Grundinformationen zum Ort und der Vereins- und Bildungskonzeption
  • Informationsflyer zum Flandernbunker und den Angeboten in fünf Sprachen: deutsch, englisch, französisch, türkisch, arabisch (Download auf der Website des Vereins)
  • Informationsflyer in deutscher Sprache speziell für Schulen
  • Literaturempfehlungen: Jens Rönnau: Gedenkstätten und Mahnmale in Kiel, in: Gedenkstätten-Rundbrief 183/2016, S. 15–28 (online verfügbar); Ders. (Hrsg.): Stolperstein der Geschichte. Die Ruine des U-Bootbunkers Kilian als Mahnmal und Herausforderung, Kiel 1997; Jan Klußmann: Zwangsarbeit in der Kriegsmarinestadt Kiel 1939-1945, Bielefeld 2004; Renate Dopheide: Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Kiel und Umgebung, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 77 (1993).
Praktische Informationen
Praktische Informationen

Flandernbunker
Kiellinie 249 (am Marinehafen)
24106 Kiel


Kontakt: Verein Mahnmal Kilian e.V.
info@kriegszeugen.de


www.mahnmalkilian.de
www.facebook.com/mahnmalkilian/


Tel.: 0431-2606309
Leitung: Dr. Jens Rönnau

Öffnungszeiten

Mo–Fr 11–15 Uhr, So 11–17 Uhr

Eintritt

4 EUR, ermäßigt 3 EUR
Führungen: Eintritt plus 2 EUR. Gruppenführungen ab 13 Personen: 30 EUR plus 3 EUR/Person, Schulklassen: 30 EUR inkl. Eintritt

Anfahrt mit PKW

Über B 76 Abfahrt Wik/Marinehafen, Prinz-Heinrich-Straße.
Aus der Innenstadt über Düsternbrooker Weg, Kiellinie oder über Feldstraße, Elendsredder
Parkplätze am Flandernbunker vorhanden, ggf. am Wasser- und Schifffahrtsamt, Kiellinie 247

Anfahrt mit ÖPNV

Ab Kiel-Hauptbahnhof Buslinien 41, 42, 32, 33. Haltestellen Mercatorstraße oder Feldstraße, ab dort circa 200 Meter Fußweg
Mit der Fördefährlinie F 1 bis Anleger Bellevue, ab dort circa 1300 Meter Fußweg entlang der Kieler Förde

Spenden und Mitgliedschaft

Spendenkonto: Fördesparkasse Kiel, IBAN: DE 33 2105 0170 0022 0036 28.
Eine Vereinsmitgliedschaft ist für Einzelpersonen, Verbände, Institutionen und Firmen möglich – Formulare unter www.mahnmalkilian.de oder im Flandernbunker.

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